Teil 3 – „Schaffen wir das?“

Presidential Press and Information Office, BOCHAROV RUCHEI, SOCHI. During the meeting with Federal Chancellor of Germany Angela Merkel
Wladimir Putin, Angela Merkel und Koni 2021 in Putins Datscha in Sotchi

„Wir schaffen das!“

Der Titel, mit der Frage „Schaffen wir das?“, bezieht sich nicht nur auf die Flüchtlingssituation (2022 wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit die Zahl von 100 Millionen Geflüchteten überschritten) und den Krieg, sondern auf die geopolitische, auf die strategische, auf die humanitäre, die soziale und nicht zu vergessen, die ökologische Situation dieser Welt.

Woran denkt man bei diesem Titel? Natürlich fällt einem zuerst das Jahr 2015 und der schicksalhafte Spruch von Angela Merkel ein, der sich auf die Flüchtlingskrise und auf die Hunderttausende, ja Millionen von Flüchtlingen bezog, die aus Syrien nach Europa strömten. Warum dieser Titel jetzt wieder in einem Essay zur Krise in der Ukraine? Schon damals gab es einen Menschen, der nicht nur mitverantwortlich war, sondern durch sein Eingreifen die Gräueltaten mitzuverantworten hatte: Wladimir Putin. Er hat den Machthaber Assad massiv unterstützt und die Zivilbevölkerung aus der Luft derartig zerbombt, dass sich die Bilder aus Aleppo und Idlib, die wir scheinbar vergessen haben, und heutzutage Butscha, Irpin oder Mariupol in ihrer Grausamkeit und Zerstörungswut gleichen.

Der Bürgerkrieg in Syrien dauert, was fast keiner mehr weiß oder wissen will, bis heute an und hat über eine halbe Million Menschen das Leben gekostet. Ein Großteil der Bevölkerung musste das Land verlassen, um überhaupt eine Chance auf das Überleben zu haben, sodass die Flüchtlingszahlen noch bis vor Kurzem die Zahlen der Ukraine überstiegen. Es sind bis heute über 13 Millionen, von denen die Hälfte das Land verlassen haben und zum Großteil in Europa leben. Aber wir schaffen das?

Sieben Jahre später, geschieht die gleiche Tragödie - vielleicht sogar in noch größerem Ausmaß. Diesmal nicht ganz so weit weg von Europa, sondern mittendrin. In der Ukraine, die über doppelt so viele Einwohner hat und mehr als die dreifache Fläche von Syrien – auch hier sind schon über 15 Millionen Flüchtlinge, (davon zwei Drittel aller Kinder) unterwegs, allerdings schon nach 3 Monaten Krieg. „Wir schaffen auch das“ hat unser Scholzomat noch nicht gesagt (er sagt ja auch so bekanntermaßen ziemlich wenig) und sonst auch keiner. Es herrscht vielmehr Verwirrung sowie Ratlosigkeit und scheinbar setzt man auf das Prinzip Hoffnung. Leider hört dieses Prinzip an diesem Punkt nicht auf, es fängt vielmehr erst an.

Die Zeitenwende steht uns nämlich nicht nur in Bezug auf die Militarisierung und den zunehmend grassierenden Bellizismus ins Haus, nicht nur durch die mögliche atomare Bedrohung, sondern in mehrfacher Hinsicht auch durch den zunehmenden Hunger, die soziale Krise und die steigende Ungleichheit in den Entwicklungsländern, die sämtlich durch die Krise verschärft werden. Weizen wird zur Waffe! Aber auch im reichen Deutschland werden Wahrheiten ausgesprochen, die bisher Tabu waren. Der rabenschwarze CDU-Chef, der Blackrock-Heuschrecken-Merz sagte wortwörtlich: „Wir haben wahrscheinlich den Höhepunkt unseres Wohlstands hinter uns“, meinte damit aber sicher nicht die Aktionäre und das Management des größten Vermögensverwalters der Welt, dem er bis vor kurzem noch angehörte.

Der grüne Wirtschaftsminister hingegen spricht davon, dass Deutschland durch diesen Krieg ärmer werde und weist darauf hin, dass auch wir mit unserer Lebensart eine Spur der Verwüstung über die Erde zögen: „Wer sich auf der Seite der Guten wähne, während er sein Mettbrötchen bestreiche, der war noch nie im Schweinestall.“ Denn dessen Insassen fressen derzeit genau das Getreide, das den Menschen in den Entwicklungsländern fehlt und die Menschen hungern lässt. Knapp 60 % werden in Deutschland verfüttert, 16 % für Biosprit verwendet, bleibt in etwa nur ein Viertel für den ursprünglich angedachten Verwendungszweck als Nahrung. Somit wird nicht nur die Ukraine pulverisiert, sondern auch die Gewissheit, dass wir die Guten sind und uns auf dem deutschen Wohlstand ausruhen können, während woanders die Menschen leiden. Aber nicht nur die Menschen, sondern die ganze Welt leidet unter unserem Lebensstil.

Denn während wir Menschen immer älter und scheinbar auch immer gesünder werden, leben wir auf einem Planeten, der immer kränker wird. Das 1,5 Grad Ziel reißen wir wahrscheinlich ein paar Jahrzehnte früher, als in Paris beschlossen. Und darüber hinaus verschärft sich auch die Klimakrise durch den Krieg und dessen Folgen noch weiter. Mehr Kohle wird verbrannt, mehr Öl, mehr Fracking-Gas, auch wenn der Umstieg auf die Erneuerbaren durch die Krise im wahrsten Sinne des Wortes befeuert wird. Vor allem aber in Bezug auf das Überleben der Menschheit sehen wir uns mehrfachen Gefahren gegenüber. „I want you to panic“, warnte Greta Thunberg 2019 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die globale Elite.

Die „deutsche Greta“, wegen ihrer zahlreichen Fernreisen auch „Langstrecken-Luisa“ genannt und ihre Kusine, die „Zigaretten-Carla“ leiden hingegen nicht an Asperger, sie glänzen eher durch andere Qualitäten. Die aus zahlreichen Talkshows bekannten „Gesichter“ von FFF Deutschland sind beides bildhübsche Studentinnen und stammen zudem aus einer der reichsten Familien Deutschlands. Eigentlich gibt es bei der basisdemokratischen Organisation keine Leitung und keine Sprecherin (wie die beiden immer wieder genannt werden), nicht nur deswegen, sondern auch aufgrund ihres Geltungsdranges und der gewaltigen Medienpräsenz sind die beiden Kusinen in der Graswurzelbewegung nicht unumstritten. Und genau dieser Aspekt ist eine perfekte Überleitung vom Klima- zum Genderthema. Denn die Gleich-berechtigung, oder vielmehr die Frauen spielen (da weibliche Namen kaum auftauchen), auch wenn es sich erstmal seltsam anhört bei einer möglichen Lösung für die Krise in der Ukraine, eine große Rolle.

Of mice and men

Aber bevor wir uns dieser Lösung widmen, noch ein wichtiger Aspekt, der direkt mit ihr zusammenhängt und der vielleicht dem einen oder anderen Leser in den ersten zwei Teilen schon aufgestoßen ist. Und an diesem Punkt ist es unbedingt wichtig zu sagen den Leserinnen und Lesern oder den Leser:innen. Der eine oder andere – die eine oder andere Leser oder Leserin (wie kann man das am besten gendergerecht schreiben?), ein Teil der Lesenden hat bestimmt gemerkt, dass die Frauen mal wieder unter ferner liefen. Dem männlichen Teil der Leserschaft ist es wahrscheinlich weniger aufgefallen, beim weiblichen Teil bestimmt der Einen oder der Anderen. Und deswegen passt es auch so gut, dass der Titel des dritten Teils „Schaffen wir das?“ mit der Frau assoziiert wird, die derzeit nicht nur durch ihre politische Abwesenheit glänzt und von einigen, ob ihrer Erfahrung, vielleicht sogar vermisst wird: Angela Merkel. Denn sie ist diejenige Frau, die in diesem menschlichen Drama vielleicht eine tragende Rolle gespielt hätte. Hätte spielen können, da sie in der Vergangenheit eine solche auch schon gespielt hat. Dazu gleich.

Zuerst aber zurück zur Gleichberechtigung: In den ersten zwei Teilen kam der Name Putin über 30-mal vor. Frauen spielten hingegen keine Hauptrolle und auch bei den prominenten Nebenrollen nur WOMs: Selenskyj, Biden, Scholz, Macron, Johnson, Xi, Modi und jenseits der Politik Elon Musk und der Papst. So sieht also unsere globale Elite aus? Wer seinen Namen vermisst, sollte nicht beleidigt sein, sondern sich vielmehr geehrt fühlen, denn es ist keine Ordensliste, obwohl vielleicht einer der Herren sogar einmal das Bundesverdienstkreuz oder gar den Friedensnobelpreis erhalten wird - wie es sogar für Putin schon vorgeschlagen wurde, um ihm ein Exitszenario aus der möglichen Schmach schmackhaft zu machen.

Alles WAMs, „weiße alte Männer“ oder international WOMS „white old men“, von Macron vielleicht abgesehen, der ist etwas jünger (und als einziger mit einer Frau verheiratet, die älter ist als er) und bei Xi und Modi lässt sich in Bezug auf die Farbnuancen auch streiten. Auch ob die beiden POCs sind, denn der Begriff kann sowohl aktivistisch als auch wissenschaftlich verwendet werden. Aber wir wollen nicht auch noch in die Rassismusthematik einsteigen, obwohl gerade Rassismus Ursache und Teil vieler Kriege ist.

Daher wieder zum Hauptthema: Die einzigen Frauen, die in den ersten zwei Teilen genannt wurden, sind entweder tot, wie Madeleine Albright, (die ehemalige Außenministerin der USA, mit ihrem Spruch von „the league of democracies“), oder glänzen durch sonstige Abwesenheit, wie z.B. Angela Merkel, die politisch und auch sonst keine Rolle mehr spielt. Sie sind weiterhin nur genannt worden, weil sie durch die Krise in den Hintergrund geraten sind, wie „How-dare-you!“ Greta Thunberg von Fridays for Future

oder noch schlimmer, weil sie als ehemalige Frau, oder neue Gespielin des russischen Präsidenten auftreten, wie Ljudmila Alexandrowna Putina seine Exfrau und Alina Kabajewa, seine neue Freundin.

Die einzige Frau, die in den ersten zwei Teilen genannt ist und eine etwas wichtigere, wenn auch, als Falk(in?) unrühmliche Rolle spielt, ist Agnes Strack-Zimmermann. FDP-Politikerin und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, die sich in ihrer ungewohnten Popularität sonnt. Aber auch sie wird nur ganz am Rande erwähnt. Noch dramatischer macht diese Absenz, dass es auch in den Bereichen jenseits der Politik keine weiblichen Protagonisten gibt. In der Religion, Kyrill, Rasputin und der Papst, bei den Schriftstellern Fukuyama, Kojeve und Sloterdijk und bei den Philosophen Habermas und Chomsky.

Sogar die Journalisten von denen berichtet wird, haben sämtlich männliche Namen. Als Experten aus der Wissenschaft werden Carlo Masala sowie Christian Drosten benannt und auch aus der Wirtschaft, kam im Text nur ein besonders männliches Prachtexemplar vor: Elon Musk, der jüngst bei der Eröffnung der neuen Gigafactory in Grünheide einen bizarren Häuptlingstanz aufs Parkett legte, während der Kanzler nahezu bewegungslos rumscholzte. Ich habe mir nicht die Bürde auferlegt, zu zählen, wieviel männliche Namen und wieviel weibliche insgesamt genannt werden und wenn überhaupt weibliche, dann in welchem Zusammenhang? Aber es lässt sich vermuten, dass hier das Verhältnis der Macht auf dieser unserer Welt in etwa widergespiegelt wird. Was für ein Armutszeugnis! Und die Folgen dramatisch!

Manmade oder Frauenpower

Hierzu ist besonders für den männlichen Teil der Leserschaft eines zu vermerken: Das Armutszeugnis dürfen sich die Männer selbst ausstellen, denn nahezu alle Krisen dieser Welt und ganz besonders die in der Ukraine sind im wahrsten Sinne des Wortes Man-Made. Von Männern verursacht, von Männern geführt und von Männern bis heute nicht beendet. Männlichkeit ist also derzeit keine Qualität oder biologische Eigenschaft (Menschen mit Testosteronhintergund?) auf die man stolz sein könnte.

Zumindest nicht jene toxische Art von Männlichkeit, die derzeit so unendlich viele Menschen grausam und scheinbar ohne jegliches Mitgefühl leiden lässt und uns an den Rand des Abgrundes führt. Insofern, kann man froh sein und sich glücklich schätzen, wenn man in den ersten zwei Teilen nicht genannt wurde. Denn sämtliche genannten Charaktere spielen keine besonders positive Rolle in dem menschlichen Drama, das sich abspielt (von einigen Ausnahmen vielleicht abgesehen, aber sogar Biden und Selenskyj werden ambivalent wahrgenommen, vom Osten ganz zu schweigen). Aber warum sind die Männer so?

„Wann ist ein Mann ein Mann?“, fragt Herbert Grönemeyer. Wir fragen uns: Wäre die Welt vielleicht eine bessere, wenn die Männer anders wären, oder friedlicher, wenn sich weniger Macht auf ihr Geschlecht konzentrieren würde? Tja, das ist mal wieder Spekulation. Aber eine ganz einfache Frage, die sich daraus stellt, ist durchaus berechtigt: Wäre die Welt eine bessere, wenn mehr Frauen an der Macht wären? Und noch spannender ist die Antwort, die aus meiner Sicht jeglicher Spekulation entbehrt: mit Sicherheit! Wäre mehr Macht für den weiblichen Teil der Bevölkerung auch eine Lösung für diese Krise? Sicherlich, aber wie soll das gehen? Von einer echten Putina als Regierungschefin ist Russland noch viel weiter weg als die USA und die Ukraine von einer Präsidentin. Dennoch, es geht ja nicht nur um diese Situation, sondern auch die anderen Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen.

Und es gibt sie ja, die Frauen, die auftauchen. Aber nur in sehr geringem Maße und in der Ukrainekrise so gut wie gar nicht. Nochmal – das ist positiv zu sehen. Oder anders: Wären es mehr, wäre es vielleicht gar nicht zu dieser Krise gekommen, bzw. nie zu diesem Ausmaß. Ich bin überzeugt, dass Frau Putina diese Kriege als russische Präsidentin nicht angezettelt hätte, oder kennen Sie eine Politikerin, die in der letzten Zeit einen Krieg begonnen hat? Vielleicht die eiserne Lady mit dem Falklandkrieg, aber der dauerte nur wenige Wochen und führte zu einer Demokratisierung von Argentinien – ohne ihn entschuldigen zu wollen. Und auch bei den Waffenstillstandsverhandlungen sieht man auf beiden Seiten nur Männer sitzen und das ohne Erfolg. Ein großer Fehler, ist doch erwiesen, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Friedensabkommen, dass seinen Namen verdient, um 35 % steigt, wenn Frauen mit am Tisch sitzen.

Die wichtigste weibliche Rolle im Ukrainedrama spielt wohl Ursula von der Leyen, die von der Flinten- zur Europa-Uschi befördert wurde; Präsidentin der Europäischen Kommission, wenn man es etwas fürnehmer ausdrücken wollte. Weitere weibliche Namen, die seit Neuestem zunehmend auftauchen, sind die der finnischen Ministerpräsidentin Sanna Marin und der schwedischen Ministerpräsidentin Magdalena Anderson. Diese beiden aber hauptsächlich nur deswegen, weil auch für diese beiden Länder eine Zeitenwende ansteht: Sie wollen nach 80-, bzw. 200-jähriger Unabhängigkeit der NATO beitreten. Was die Krise vielleicht noch mehr befeuert. Putin zumindest hat schon angekündigt, dass es gar nicht nötig, sondern vielmehr ein großer Fehler ist. Und Kollege Erdogan pokert und blockiert. Schlechte Karten!

© Anne Sjöholm / valtioneuvoston kanslia, 13.04.2022
Sanna Marin und Magdalena Anderson haben den Nato-Beitritt beantragt.

Wen gibt es noch? Die bereits vorher angesprochene doppelt doppelnamige Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die gerade im Aufwind ist und in fast jeden Nachrichten und auch immer wieder in Talkshows ihre Worte der Kriegstreiberei verbreiten darf. Ja und dann natürlich noch Annalena Baerbock, unsere Deutschland-Anni und neue Außenministerin, die in diesem Konflikt auch eine ambivalente Figur abgibt. Die zwar auf der einen Seite jemand ist, der/die endlich einmal die Wahrheit ausspricht, zudem neue Werte (z. B. feministische Außenpolitik) vertritt, weit vor dem Kanzler in die Ukraine reiste und einen wirklich guten Job macht. Auf der anderen Seite aber auch den pazifistischen und friedliebenden Weg verlassen hat und wenn man es so ausdrücken möchte – zum Teil auch zu einer Kriegstreiberin geworden ist. Realpolitik heißt man das Heute. Wie komischerweise die meisten Grünen, die man bisher eher weniger bellizistisch erlebt hat, nun ziemlich agonal auftreten. Allen voran der Einzige, der den erwarteten Ministerposten aufgrund der Gleichberechtigung bei den Grünen knapp verpasst hat und sich nun vielleicht anders profilieren muss: Anton Hofreiter, den man aufgrund seiner Äußerungen Raketen-Toni nennen müsste.

Wer fällt einem noch ein? Vielleicht Christine Lambrecht, die Verteidigungsministerin, die eher durch ausbleibende Lieferungen und misslungene Aktionen auffällt. Weil ihr Sohn mit ihr im Bundeswehr-hubschrauber mitgeflogen ist, wird die sogenannte Helikoptermama sogar zum Rücktritt aufgefordert. Die einzige Aktion, mit der sie pressemäßig punkten konnte, war die Lieferung von 5000 Helmen und selbst die brachte aufgrund ihrer Lächerlichkeit eher Minuspunkte. Und wer hat den Namen Kaja Kallas schonmal gehört? Sie ist Ministerpräsidentin von Estland und wurde als „Europas neue Eiserne Lady“ bezeichnet. Hoffentlich eifert sie Maggie nicht auch im Beginn eines Krieges nach.

In weiteren außereuropäischen Nebenrollen glänzen Kamala Harris, immerhin erste amerikanische Vizepräsidentin und Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses der USA, die überraschend nach Kiew gereist ist. Weitere Frauen, die eine große Rolle in diesem Drama spielen, fallen einem nicht ein. Wo sind die Friedensbringer? Wo sind die Philosophinnen? Wo sind die Journalistinnen? Wo sind die religiösen Anführerinnen? Wo sind die Schriftstellerinnen, die Politikerinnen, die Wirtschaftslenkerinnen? Sie alle gibt es. Aber sie werden nach wie vor von den Männern unterdrückt. Kommen wir daher also nochmal zu der Frau, der das Titelzitat zugeschrieben wird und die wohl auch in diesem Drama eine tragende Rolle gespielt hätte. Kommen wir zur einst mächtigsten Frau der Welt: Angela Merkel.

Angie

Sie war allein aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung eine Putin-Kennerin und eine Putin-Versteherin par excellence. Bei Angela Merkel kam er mit seinem Machogehabe nicht weit, das wusste er nach einiger Zeit. Bei ihrem Antrittsbesuch in Russland, 2006 hat er ihr mit den Worten: „Ich hab gehört, Du hast ein Problem mit Hunden“ noch ein Exemplar aus Stoff überreicht, Ein Jahr später, in Sotchi, hat er dann in dem Wissen, dass sie als Kind von einem Hund gebissen wurde, seinen Labrador Kuni frei herumlaufen lassen und sie damit in große Anspannung versetzt. Nicht die feine englische, sondern die brutale russische Art – aber selbst das hat sie mit Gleichmut bestanden.

Denn sie kannte ihn und konnte mit ihm umgehen. Diese Fähigkeit, diese politische Erfahrung ist verloren gegangen, ein nicht nur politisches Schwergewicht ist nach 16 Jahren Regierungszeit (und damit fast so lange wie Putin) abgetreten. Und so ist eine Frau, die in dieser Krise eine prägende Rolle hätte spielen können, kurz vor deren Beginn von der politischen Bildfläche verschwunden - vielleicht zu ihrem eigenen Glück. Erst nach einem halben Jahr Sendepause, nach über drei Monaten Krieg, bezeichnete sie den „barbarischen Angriffskrieg Russlands“ als eine tiefgreifende Zäsur, der Einhalt geboten werden müsse. Was sie in ihrer Amtszeit nicht getan hat. Wehret den Anfängen hieß das in Bezug auf die Faschisten schon vor vielen Jahrzehnten. Stattgefunden hat nicht nur damals das Gegenteil!

Und so müssen wir, um das Drama tiefer verstehen zu können, auch berücksichtigen, dass ihre vergangenen Handlungen bzw. Unterlassungen die Krise mitgeprägt haben. Zum Teil sogar so schwerwiegend, dass man sogar sagen könnte, sie habe die Krise mit verursacht. Denn in ihrer Kanzlerschaft wurde z. B. der Ukraine der NATO-Beitritt verweigert. Alle NATO-Länder bis auf Deutschland und Frankreich hätten dem Beitritt der Ukraine 2008 zugestimmt. Nur Sarkozy für Frankreich und Angela Merkel für Deutschland haben dagegen gestimmt und so den Beitritt verhindert.

Damals, so heißt es zumindest, aus Angst vor den möglichen Reaktionen Russlands. Ob dem so ist und ob damals bei einem Beitritt ähnliches passiert wäre wie heute, wissen wir nicht. Und somit auch nicht, ob es ein Fehler war. Aber eines wissen wir: Das Veto hat entscheidend zur heutigen Situation beigetragen. Und so hat Angela Merkel, die sich in der Flüchtlingskrise, die sich in der Europakrise, die sich in der Finanzkrise und die sich nicht zuletzt in der Pandemie bewähren konnte, ihr Lebenswerk in Bezug auf die Ostpolitik, und auf ihr Verhältnis zu Russland desavouiert. Sie sieht das natürlich etwas anders: „Also ich sehe nicht, dass ich da jetzt sagen müsste: Das war falsch und werde deshalb auch mich nicht entschuldigen“, formulierte sie ziemlich verklausuliert. Mea culpa ist anscheinend auch nicht so ihr Ding. Allerdings redete sie auch Klartext und meinte, dass Putin schon immer „Europa zerstören will“ und einen Hass „gegen das westliche demokratische Modell“ hege. In diesem Wissen erst über die Ostpolitik der SPD zu schimpfen und dann selbst das Energiegeschäft massiv auszubauen, ist zumindest scheinheilig.

Denn nicht nur der SPD, zum großen Teil ist es vielmehr Merkel und ihrer nun kriegsheulenden CDU zu verdanken, dass die Abhängigkeit von russischen Rohstoffen in der Zeit ihrer Regierung immens anstieg. Dass Deutschland noch immer einen Großteil der russischen Kohle bezieht, immer noch auf russisches Öl und zu über 50 % auf russisches Gas, angewiesen ist. Auch bei anderen Rohstoffen wie Zink, Kupfer und Eisen bewegen wir uns bei den Importquoten aus Russland in Bereichen zwischen 20 und 40 %.

Diese Anteile stiegen seit 2014 sogar noch. Und das in dem Wissen, was bereits in der Krim und im Donbass geschehen war, was die Flüchtlingskrise ausgelöst hat und was zuvor in Georgien und dann in Syrien passiert ist. Im Angesicht dessen, die Rohstoff-Abhängigkeit derartig auszubauen und dazu wichtige Infrastruktur wie Gasspeicher, Leitungen und Raffinerien an russische Firmen (wie z.B. Gasprom) zu verkaufen, könnte man auch unverantwortlich nennen. In der CDU geschieht vieles der Wirtschaft zuliebe, allen voran für die, die jetzt am lautesten aufschreien, wie BASF oder andere rohstoffabhängige Unternehmen. Aber wir alle haben von den billigen Rohstoffen profitiert.

Und so hatte und hat das deutsche Volk auch stets den Kanzler/die Kanzlerin, den/die es verdient hat. Denn, so traurig es auch ist: Gewählt werden die Politiker von uns. Von den Wählern, vom Souverän, von uns Bürgern (in Russland ist es nicht anders, auch wenn es dort nur Scheinwahlen sind). Daher nochmal zurück zu unserer Mutti. Sie hat bei diesem Thema ihrem Namen keine Ehre gemacht, war an diesem Punkt wahrlich kein Engel, keine liebevolle Mutter. Wahrscheinlich der Wirtschaft zuliebe hat sie das deutsche Wirtschaftsmodell zum Florieren, den deutschen Exportmotor zum Schnurren gebracht – über die Jahre gut gefüttert von russischem Gas und Öl.

Und dieser Motor brummt schon seit langer Zeit, denn bereits wenige Jahre nach Ende des 1. Weltkriegs brauchte Deutschland wieder Brennstoff und Russland (damals die russische Sowjetrepublik) die Technik, um sie zu fördern. Genau deswegen wurde vor hundert Jahren in Italien am Ostersonntag der Vertrag von Rapallo unterzeichnet. Schon damals ging es um das besondere Verhältnis zwischen Russland und Deutschland, das bis heute besteht (Wandel durch Annäherung oder Wandel durch Handel hieß das allerdings erst nach dem 2. Weltkrieg, denn da wiederholte sich das Spiel). Aus Angst vor Reparations-zahlungen als Folge des 1. Weltkriegs, aber vor allem aus dem Wunsch nach Rohstoffen schlossen Rathenau und Kanzler Wirth ein bilaterales Geheimabkommen mit der russischen Delegation und brüskierten den Rest der Welt. Damals tobte der englische Premier, diesmal war vor allem Trump erbost.

In die Röhre geschaut

Schon mit Nord Stream 1 hatten Schröder und Merkel Resteuropa und die USA düpiert, aber mit der zweiten Röhre verscherzten es sich die Deutschen endgültig. Denn in dem Wissen, dass es die Ukraine schwächt, kam nach dem Veto 2008, nach der Unterzeichnung der Minsker Verträge, im Jahr 2015 der nächste Hammer: Nord Stream 2. Der Vertrag dazu wurde kurz nach der Annexion der Krim geschlossen – aus heutiger Sicht fast unglaublich. Denn diese Pipeline, dafür wurde sie auch explicit gebaut, umgeht die Ukraine gänzlich. Verhindert, dass sie Transitgebühr bezieht, nimmt ihr damit Macht und verleiht diese stattdessen an Russland. Bis heute wurde acht Jahre an ihr gebaut, die Ostsee umgepflügt, Milliarden im Meer versenkt und nun wird sie doch nicht in Betrieb genommen. Eine leere Röhre. Was wird aus ihr? Und was wird aus dem noch im Aufsichtsrat von Gazprom sitzenden Gerhard Schröder?

So manch Genosse würde wohl gerne beide Fragen zu einer Lösung verbinden und den Altkanzler in Greifswald in die Röhre stecken und in die zur Planung entgegengesetzte Lieferrichtung direkt zur Narwa-Bucht transportieren, um dem Projekt zumindest einen Sinn zu geben. Vor allem, da die alternative Nutzung mit Wasserstoff nur ein Gerücht ist. Stattdessen werden dem Politdinosaurier nun ein paar Privilegien entzogen. „Mea culpa ist nicht mein Ding“, sagte er, aber zum Großteil hat er das Projekt gemeinsam mit Angel Merkel, dem weiblichen Pendant, was ausgestorbene Großechsen anbelangt – zumindest politisch – zu verantworten. Anscheinend haben es die Exkanzler alle nicht so mit „mea culpa“. Obwohl Schröder durch seine Tätigkeit sicher auch nicht ärmer geworden ist. Aber auch die CDU kann sich ihre Selbstgerechtigkeit in Bezug auf die Ostpolitik sparen, es war schon eine ganz große Koalition, die das verbockt hat, da können sich über die letzten 20 Jahre schon fast alle Parteien an die Nase fassen.

Ganz Resteuropa hat darauf aufmerksam gemacht und gegen Northstream protestiert, auch die USA haben sich dagegen gewehrt. Allerdings mit einem gehörigen eigenen America-first-Interesse. Wollen sie doch lieber ihr eigenes Flüssiggas verkaufen und sind von billigen Energiepreisen nicht so begeistert, weil ihr Fracking-Gas mehr als das russische Billiggas kostet und daher so wenig konkurrenzfähig war, dass dadurch sogar einige US-Förderfirmen Pleite gingen. Die USA haben aufgrund der deutschen Beharrlichkeit bei diesem Projekt so schwere Sanktionen verfügt, dass schon unter Trump ein transatlantischer Wirtschaftskrieg drohte.

Und hier kommt ein neuer Clou und in diesem Text eine weitere Frau ins Spiel – diesmal leider mit einer unrühmlichen Rolle: Manuela Schwesig, Mac Manu, ihres Zeichens Ministerpräsidentin von Mac Pom (das sich so geschrieben eher nach USA anhört als nach Mecklenburg-Vorpommern). Um die Sanktionen zu umgehen, hat sie sogar eine Stiftung gegründet (allerdings mit russischem Geld), da die Staatsfirmen nicht handlungsfähig waren und den Bau nicht mehr vorantreiben konnten. Über die Stiftung hatte man einen scheinbar legalen Umweg gefunden, die Pipeline doch noch fertig zu bauen, man nannte sie sogar Klimastiftung. Nun, wir wissen alle, was daraus geworden ist. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Schwesigs Vorgänger Erwin Sellering, weigert sich, die Stiftung aufzulösen, nun soll es ein Untersuchungsausschuss richten.

Beginnend mit den zunehmend imperialistischeren Ambitionen Russlands in Georgien, Syrien, der Krim und dem Donbass, weitergehend mit dem NATO-Debakel und der Pipelinekrise, hat die Strategie von Wandel durch Handel, ihren energiehungrigen, wirtschaftspolitischen und dramatischen Höhepunkt in diesem Jahr mit dem Ukrainekrieg gefunden. Beginnend mit Willy Brandt, über Helmut Kohl bis zu Gerhard Schröder und Angela Merkel hatte diese Strategie durchaus Berechtigung – doch heute muss man sagen, dass die Politik krachend gescheitert ist. Der Versuch war es wahrscheinlich trotzdem Wert. Es hätte ja funktionieren können. Warum aber hat es nicht geklappt?

Ist der Mensch genetisch in einer Sackgasse?

Auf der einen Seite stellt man sich heutzutage immer öfter die Frage, ob das Ende der Geschichte droht. Immer wieder wird von Atomwaffen oder dem nuklearen Holocaust gesprochen und gleichzeitig ist es vielleicht tatsächlich so, dass das menschliche Streben des darwinistischen Prinzips des „survival of the fittest“, dazu geführt hat, dass toxische Männlichkeitsideale die Welt dominieren und unser Führungspersonal, wie wir immer wieder erleben müssen, nicht nur militärisch, nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich, kulturell und religiös von sogenannten Alpha-Männchen dominiert wird.

Es ist nun mal beim Homo sapiens so, doch das wird hier nur kurz erläutert, dass nicht mehr die stärksten Exemplare seiner Gattung am weitesten nach oben kommen, sondern leider diejenigen, die ein ganz anderes Merkmal besonders stark entwickelt haben: die Skrupellosigkeit. Folglich und das kann man an dem Krieg in der Ukraine exemplarisch sehen, werden die Krisen und die meisten Konflikte durch solche Silberrücken oder Alpha-Tiere initiiert und aufrechterhalten, die sich durch Brutalität und Skrupellosigkeit bis an die höchsten Stellen durchgesetzt haben. Und so entsteht eine Gewaltspirale, an deren Ende die Vernichtung des Planeten und damit auch der eigenen Art droht. Das ist mit „der Genetik in der Sackgasse“ gemeint.

Nun könnte man diese beiden Punkte tatsächlich in einen Zusammenhang bringen. Droht das Ende der Geschichte vielleicht, weil wir uns in einer genetischen Sackgasse befinden und es noch nicht erkannt haben? Es sieht so aus. Denn so schlimm die Ukrainekrise auch ist, sie scheint – mit unendlichem Leid zwar- aber doch irgendwann lösbar. Nur betrifft sie hauptsächlich Europa. Andere globale Herausforderungen und Krisen, in denen wir mit den ähnlichen Mechanismen zu tun haben, sind noch weit schwieriger zu lösen. Derzeit werden sie von den meisten nicht einmal ignoriert!

Wie z.B. das weltweite Artensterben oder die Klimakrise. Der Klimarat hat in diesem Jahr mitgeteilt, dass das 1,5 Grad Ziel, dass eigentlich bis 2050 gesetzt war, nun schon in einem der nächsten 5 Jahren aller Voraussicht nach überschritten wird. Und auch hier sind es die Staatenlenker, die Wirtschaftsmagnaten, die Superreichen, Stars und Sternchen, also die Vorbilder für unsere Jugend, die unsere Welt an den Rand des Abgrundes und vielleicht – sei es durch die Klimakrise, sei es durch die Ukrainekrise – sogar in ihn hineinführt (laut Oxfam sind die reichsten 10 % verantwortlich für über die Hälfte des CO2 Ausstoßes).

Bei so viel testosterongesteuertem Narzissmus (man will sich ja schließlich erfolgreich fortpflanzen) fällt es besonders dem männlichen Führungspersonal schwer eine einfache Lösung zumindest andenken. Was wäre denn, wenn die Welt von weiblichen Führungskräften geleitet würde? Oder wenn die Frauen zumindest mehr Macht bekämen? Einfach nur als Gedankenspiel, aber auch als mögliches Szenario für die Ukrainekrise. Dazu kommen wir gleich nochmal etwas profunder. Doch zuvor wollen wir bei diesem Thema einen Ausflug ins Paradies machen. Keine Sorge, es dauert nicht lange, es ist nur ein kleiner Exkurs, aber sehr interessant für dieses Thema. Wir wollen uns dazu mit der Schöpfungsgeschichte befassen.

Adam und die Büchse der Pandora

Ich selbst lebe nach den christlichen Werten, halte mal die andere Wange hin, denke aber manchmal auch wie es in den Wald ruft, so schallt es zurück. Aber im Prinzip versucht man schon den Nächsten wie sich selbst zu lieben, was sogar einigermaßen klappt, bei besonders unausstehlichen Exemplaren aber nur ansatzweise gelingt. Bei aller Nächstenliebe bin ich aber kein Kreationist und auch keineswegs überzeugt, dass der liebe Gott in sechs Tagen die Welt erschaffen hat und am Sonntag dann geruht hat (ich hab da immer was zu tun). Ich kann mir auch beim Mythos der alttestamentlichen Genesis und bei der Vertreibung aus dem Paradies schwer vorstellen, dass dies in der Bibel beschriebenen Art und Weise stattgefunden hat. Aber dieser Mythos ist ein wichtiger Grund für die Unterdrückung der Frau und die Folgen, die daraus entstanden sind.

Denn schließlich war es Eva, die ihrem Adam den Apfel überreicht hat. Na ja, hätte er ja nicht nehmen müssen. Hat er aber, denn sie war halt so verführerisch, Eva, der Apfel oder beide – ich weiß es nicht. Auf jeden Fall hat er ihn genommen und reingebissen. Also einiges an Verantwortung hat Adam dann doch auch? Und dennoch hat diese Geschichte die Hauptschuld der Frau zugeschoben und so seit 2000 Jahren zur Unterdrückung des weiblichen Teils der Bevölkerung geführt.

Diese Unterdrückung hält bis heute an, obwohl schon viel erreicht wurde. Aber besonders in den Machtzirkeln und Führungspositionen ist noch viel Luft nach oben, ganz speziell in den autokratisch regierten Ländern. Heute vertreiben uns eindeutig die Männer aus dem Paradies, sie sind es, die uns in die Hölle führen, nicht die Frauen.

In einem anderen Mythos, den voraussichtlich weit weniger kennen, geht es um die Büchse der Pandora. Diese Erzählung stammt aus der griechischen Mythologie, die sogar noch etwas älter als die biblische Schöpfungsgeschichte ist, aber eine ähnliche Aussage hat. Der griechische Dichter Hesiod hat schon 700 v.Chr. von Pandora geschrieben, die von Hephaistos aus Lehm geschaffen wurde, um Rache für den Diebstahl des Feuers zu nehmen. Und genau diese Pandora bringt nun ihre berühmte Büchse mit. Der Autor selbst kannte sie bis vor Kurzem hauptsächlich aus dem Film „Notting Hill“ in dem Hugh Grant sagte: „Ich hab die Büchse der Pandora geöffnet und es war Unheil darin.“ Die Antwort von Spike wird an dieser Stelle selbstverständlich nicht zitiert.

Im Gegensatz zum Film sind in der echten Büchse der Pandora alle Übel dieser Welt (und die Hoffnung). Anstatt Adam, der den Apfel nimmt, ist es hier Epimetheus – der „nachher bedenkende“ – der die Büchse öffnet, worauf hin alle Übel dieser Welt entweichen. Zu allem Übel bleibt als einziges die Hoffnung in der Kiste – na ja, ein bisschen was ist vielleicht doch rausgeschlüpft, denn selbst in dunklen Zeiten stirbt auch auf der Erde die Bloch´sche Hoffnung zuletzt. Im Mythos hingegen bleibt sie in der Büchse und die Welt wird zur Hölle.

Faszinierend ist nur, dass es in beiden Fällen die Frauen sind, die das Übel über die Welt bringen. Es heißt, mit der Legende der „Büchse der Pandora“ begann der Hass auf die Frauen, der bis heute – so scheint es – nicht geendet hat. Doch eigentlich wurde der Kult der Pandora mit Fruchtbarkeit und den Gaben der Erde verbunden. Hesiods Geschichte könnte somit eines der ersten schriftlichen Zeugnisse von Misogynie durch bewussten Revisionismus sein. Vielleicht hatte Hesiod kein Glück mit Frauen, vielleicht war er unglücklich, man weiß nicht allzu viel von seinem Leben.

Aber schon sein Vater scheiterte als Händler, er selbst wurde Bauer und sein Leben war laut seinen eigenen Worten „ein karges Dasein, das niemals angenehm wurde“. Vielleicht eine damals unbedeutende persönlich motivierte Verfremdung einer Geschichte, die allerdings große Wirkung zeigte. Ob dadurch oder auch aus anderen Gründen, der Narrativ der sündhaften Frau setzte sich im Anschluss in den meisten religiösen Schriften, wie dem Tanach, der Bibel und dem Koran fort. Mit katastrophalen Folgen für die Zukunft. Nicht nur für die Frauen, sondern für die ganze Welt. Aber nun wollen wir diesen Teil der Geschichte abschließen.

Die Hölle auf Erden und der Silberstreif am Horizont

Zurück in die grausame Gegenwart, in die Hölle von Butscha und Mariupol, in die Katastrophe der Ukraine. Zurück zu demjenigen, der das angestiftet hat. Natürlich ein Mann. So oft wurde dieser Name genannt: „Wladimir Putin“. Aber das gesamte Führungspersonal in Russland besteht nur aus Männern. Oder können Sie sich an eine Frau erinnern, die in Bezug auf diese Krise genannt wurde? Wie gesagt, vielleicht seine Ex-Frau oder seine neue Freundin. Als einzige noch, Elvira Nabiullina, die Leiterin der Zentralbank in Russland, überraschender Weise eine Frau.

Und vielleicht erinnert man sich an die Journalistin Marina Owsjannikowa, die mit einem selbstgemalten Schild durch eine Livesendung des Staatsfernsehens lief und „Kein Krieg. Beendet den Krieg!“ rief, um dem eigenen Volk mitzuteilen, dass es sich um einen Krieg handelt und nicht um eine Spezialoperation zur Befreiung der Ukraine von Nazis. Sie wurde verhaftet, freigelassen, wieder angeklagt, ist aus Angst vor Lagerhaft nach Deutschland geflohen und lebt nun getrennt und gespalten von ihrer Familie in Deutschland. Und auch eine der international berühmtesten Russinnen, die Sopranistin Anna Nebtreko glänzt durch Abwesenheit und äußert sich nur über ihren Anwalt oder zensiert ihre Interviews.

Ansonsten ist die Lage noch schlimmer als in vielen anderen Ländern, weitaus schlimmer als im Westen, vielleicht ähnlich übel wie in China: an der Macht nur Männer. Außenminister Lawrow schwadroniert über den Atomkrieg, General und Verteidigungsminister Schoigu ist wieder aufgetaucht, die Direktoren des Inlands- und des Auslandsgeheimdienstes, der Pressesprecher des Kremls, die Generäle, die Leiter, der Wagnertruppe, die Söldner, Kadyrow, der Tschetschene, Lukaschenko aus Belarus, und die anderen Unterstützer, wie Orban – der das Ölembargo und die Sanktionierung Kyrills blockiert- und Erdogan, der den NATO-Beitritt von Finnland und Schweden verhindert. Alles Männer.

In der Ukrainekrise zeigt sich wie unter einem Brennglas die Essenz aus narzisstischen, brutalen und skrupellosen Menschen an den höchsten Machtpositionen und die dementsprechende Folge der Herrschaft solch grausamer Potentaten. Im Herzen des guten alten Europa vielleicht sogar noch konzentrierter, man könnte sogar sagen, noch viriler als im Rest der Welt (vielleicht Nordkorea und den Iran und einige andere Autokratien in Afrika und am Golf ausgeschlossen), auf den wir so gerne herabblicken.

Man verzeihe mir nun einen Spruch – aber er scheint zu stimmen – „Ein Fisch stinkt vom Kopf her“. Und dieser Fisch stinkt gewaltig. Es ist kein Silberfisch, sondern die Silberrücken. Und deswegen ist die Frage, die wir am Anfang dieses Kapitels gestellt haben, zumindest aus meiner persönlichen Sicht beantwortet. Auch wenn ich damit die Hälfte aller Leser verliere. Es wäre eine ganz einfache Lösung, wenn man denn nur wollte, die diesen Krieg sehr schnell beenden würde: Frauen an die Macht.

In Russland ist diese Lösung natürlich pure Utopie. Denn schon in der Sowjetunion gab es mit Lenin, Stalin, Malenkow, Chruschtschow, Breschnew, Andropow, Tschernenko und Gorbatschow nur männliches Führungspersonal. In Russland kam nach Jelzin (kurz unterbrochen von der Marionette Medwedew) nur noch einer: Waldimir Putin.

Und auch in der Ukraine: Krawtschuk, Kutschma, Juschtschenko, Janukowytsch, Turtschynow, Poroschenko, Selenskyj, alles Männer. Nur Julija Tymoschenko konnte diesen männlichen Reigen als Ministerpräsidentin kurz unterbrechen. Ansonsten werden gerade in vielen östlichen Ländern Frauen nur als Ehefrauen oder Mütter geschätzt. Mütter von Soldaten. Und der Aspekt der Mütterlichkeit und damit die Sorge um die Kinder wird dann noch als Propaganda instrumentalisiert, wenn sie um ihre gefallenen Söhne weinen.

Dabei wäre zu vermuten, dass dort und in den anderen Ländern die weiblichen Aspekte des Mitgefühls, (den Frauen allein aus ihrem Aspekt der Mütterlichkeit stärker verkörpern) zum Tragen kommen und heil-bringend in die Welt ausstrahlen könnten. Ein Lichtblick, wie in den USA mit der ersten Vizepräsidentin Kamala Harris, wie in Deutschland mit Annalena Baerbock, wie in Europa mit Ursula von der Leyen und Christine Lagarde und nicht zuletzt mit der finnischen und schwedischen Ministerpräsidentin, der nicht nur in Bezug auf diese Krise entscheidend für den Fortgang und den Fortbestand dieser Zivilisation sein kann.

Und ein historisches Ereignis dürfen wir dabei speziell in Bezug auf die Macht der Frauen keinesfalls vergessen, auch wenn es schon ein Weilchen her ist: die Februarrevolution. Sie hat sich vor über 100 Jahren abgespielt – und zwar am 23. Februar 1917, also genau 105 Jahre vor Putins Kriegerklärung in diesem Jahr und beendete die russische Zarenherrschaft für immer. Der letzte Zar, Nikolaus II, wurde vom Volk gestürzt, und zwar im Schwerpunkt durch die friedlichen Aufstände der russischen Frauen. Sie forderten Brot, das Ende des Krieges und die Abdankung des Zaren. Die Proteste weiteten sich auf das ganze Land aus und wurden schließlich auch von vielen Soldaten unterstützt. Die Bolschewisten übernahmen unter Lenin die Macht gründeten die Sowjetunion (Sowjets sind eigentlich basisdemokratische Arbeiterräte) und behielten sie im Grunde bis zum Zerfall des Riesenreiches, auch wenn der Name aus dem Sprachgebrauch gestrichen wurde

Und vergessen wir auch nicht, dass die größte Angst eines Diktatoren Damons Dolch oder aber der Sturz durch das Volk ist. Und Waldimir Putin, wir erinnern uns, hat diesen Fall in der ehemaligen DDR live miterlebt. Seine größte Angst, so heißt es, ist der russische Maidan – und es ist unsere größte Hoffnung.

Es ist auf jeden Fall ein Silberstreif am Horizont, dem wir uns zusammen mit den möglichen Lösungen im letzten Teil zuwenden. Vielleicht schaffen wir es ja doch?